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Verfasst am 02.04.2026 um 15:08 Uhr

Saatgutmischungen: Was ist wirklich drin?    

Die unschöne Wahrheit – und wie man an echte Wildblumen kommt    

So viel steht fest: Eine bunte, blühende Oase im Garten hilft uns Stadtmenschen, den stressigen Alltag hinter uns zu lassen. Das Flattern von Schmetterlingen und das Summen von Hummeln tun der Seele einfach gut! Dazu sind Wildblumen eine wichtige Nahrungsquelle und ein wertvoller Lebensraum für Schmetterlinge und Co.

Wer also insektenfreundliche Bepflanzungen im Garten möchte, greift gern zu Wildblumen-Saatgutmischungen oder sogenannten Seedbombs. Wildblumen im Garten sind schließlich schön, pflegeleicht und ein großartiger Beitrag zum Artenschutz.


Aber Vorsicht! Nicht jede Saatgutmischung ist tatsächlich umweltfreundlich. Manche Mischungen sind ökologisch fragwürdig – und können der Umwelt im schlimmsten Fall sogar schaden. In diesem Artikel gehen wir der Sache auf den Grund!


Wo „Wildblume“ draufsteht, ist nicht immer Wildblume drin
Sobald der Frühling naht, füllen sich die Regale in Gartencentern und Supermärkten mit bunten Tütchen voller Blühmischungen und Seedbombs. Gerne werden sie auch als Werbegeschenk verteilt. Mit schön klingenden Namen wie „Schmetterlingstraum“ oder „Hummelparadies“ scheinen sie die richtige Wahl für eine insektenfreundliche Bepflanzung zu sein. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf: Der Inhalt vieler Saatgutmischungen ist schlecht oder gar nicht deklariert.  Spätestens wenn die ausgesäten Pflanzen blühen, sieht man, um welche Arten es sich tatsächlich handelt – und dann kommt die Überraschung:
Oft handelt es sich überwiegend um Zuchtsorten mit stark gefüllten Blüten, um Hybride, Kulturpflanzen oder um nicht heimische Arten aus anderen Regionen oder Kontinenten. Für das menschliche Auge mögen diese Blüten attraktiv sein. Für viele Insekten sind stark gefüllte Blüten jedoch nahezu wertlos, weil sie kaum Pollen oder Nektar produzieren.


Auch nicht heimische Arten können zwar teilweise Nahrung liefern, ersetzen aber keine gebietseigenen Wildpflanzen – insbesondere nicht für spezialisierte Insektenarten, die auf ganz bestimmte Wirtspflanzen angewiesen sind. Insekten brauchen vor allem die Wildpflanzen aus ihrer Region, mit denen sie sich über Tausende von Jahren gemeinsam entwickelt haben. Genau diese gebietseigenen Arten sucht man in herkömmlichen Blumenmischungen jedoch meist vergeblich. 


Bastard-Luzerne: Breitet sich massiv aus. 

Saatgutmischungen können problematische Arten enthalten

Nicht jede gebietsfremde Pflanze ist automatisch problematisch. Viele sogenannte Neophyten – also nach 1492 eingeführte Arten – sind unauffällig. Einige jedoch verhalten sich invasiv: Sie breiten sich stark aus, verdrängen heimische Arten und verändern Lebensräume.


Solche Arten sind oft sehr konkurrenzstark und besitzen kaum natürliche Fressfeinde. Dadurch können sie Nahrungsketten aus dem Gleichgewicht bringen, wirtschaftliche Schäden verursachen und hohe Pflegekosten nach sich ziehen. Manche Arten können zudem Allergien oder Hautreizungen auslösen. Ein Beispiel, das in Berlin besonders ins Auge fällt, ist die Hybrid-Luzerne (Medicago x varia), auch Bastard-Luzerne genannt. Sie ist eine Kreuzung aus der Saat-Luzerne (Medicago sativa) und dem heimischen Sichelklee (Medicago falcata).


In den letzten Jahren hat sich die Bastard-Luzerne in Berlin massiv ausgebreitet. Vor wenigen Jahren war sie nur vereinzelt am Feldrand zu finden. Heute wächst sie in zahlreichen Parkanlagen und auf vielen Grünstreifen der Stadt. Sie bildet tiefe Wurzeln, ist äußerst konkurrenzstark und reichert mithilfe ihrer Knöllchenbakterien zusätzlich den Boden mit Stickstoff an. 


Was im landwirtschaftlichen Kontext erwünscht sein mag, ist für viele unserer heimischen Wildblumen problematisch. Zahlreiche typische Wiesenarten sind an nährstoffarme Standorte angepasst. Wird der Boden dauerhaft stickstoffreicher, verlieren sie ihren Wettbewerbsvorteil und werden vom wuchernden Hybrid verdrängt.
Noch ist nicht abschließend geklärt, warum sich die Hybrid-Luzerne in Berlin so stark ausbreitet. Vermutet wird jedoch, dass sie unter anderem über Blumen- und Begrünungsmischungen in private Gärten gelangt ist – möglicherweise sogar unbeabsichtigt von engagierten Berliner Gärtner:innen mit ausgesät wurde. Gesichert belegt ist das bislang allerdings nicht.


Auch Arten wie die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) oder das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus) werden teilweise noch als „Wildblumen“ verkauft, obwohl sie regional problematisch sein können. Wer diese Pflanzen einmal kennt, sieht sie plötzlich überall.


Also: Augen auf beim Kauf! 

Saatgutmischungen ohne transparente Inhaltsangabe oder mit unbekannten Arten sollten besser nicht gekauft oder ausgesät werden. Wie Sie sehen, kann dieses Thema ganz schön komplex sein. Aber nur Mut! Wir haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengestellt. Mit diesen Tipps steht der blühenden Oase nichts mehr im Weg.


Regiosaatgut – immer eine gute Wahl

Regionales Saatgut, kurz „Regiosaatgut“, besteht aus Samen gebietseigener Wildpflanzenarten, die in einem bestimmten Ursprungsgebiet (UG) gesammelt und vermehrt wurden. Saatgutmischungen aus Ihrem Ursprungsgebiet und mit dem Qualitätssiegel VWW-Regiosaaten® oder RegioZert® sind eine besonders naturnahe Wahl für echte insektenfreundliche Bepflanzungen. Gerade im öffentlichen Raum und bei Ausgleichsflächen spielt Regiosaatgut eine wichtige Rolle. Aber auch im privaten Garten ist es ökologisch sinnvoll, weil es die genetische Anpassung regionaler Pflanzen berücksichtigt. 


Für den Stadt- und Siedlungsbereich gibt es Regiosaatgut für nahezu jeden Standort – zum Beispiel für schattige Heckenbereiche („Schattsaum“), für trockene, eher magere Standorte („Wärmeliebender Saum“) oder als artenreiche Alternative zum sogenannten Einheitsrasen. Am einfachsten ist die Bestellung online. Achten Sie dabei immer auf das passende Ursprungsgebiet, zum Beispiel UG 4 für Berlin. Falls Ihr exaktes Ursprungsgebiet nicht verfügbar ist, wählen Sie einfach das nächstgelegene.


Bezugsquellen online:  Rieger-Hofmann GmbH (www.rieger-hofmann.de) und Saaten Zeller (www.saaten-zeller.de)


10 robuste Wildstauden für normale Gartenböden in der Sonne oder im Halbschatten.

Wildstauden pflanzen statt säen
Wildstauden gibt es auch als vorgezogene Pflanzen im Topf zu kaufen. Mit Topfpflanzen erzielt man schnelle Erfolge und hat gleichzeitig mehr Kontrolle bei der Gartengestaltung. Wichtig ist – wie immer – die standortgerechte Auswahl. Eine gute Faustregel lautet: Viele Waldarten mögen eher humose, etwas nährstoffreichere und feuchtere Böden, während typische Wiesen- und Saumarten sonnige, eher nährstoffarme und trockenere Standorte bevorzugen. Entscheidend ist also immer der konkrete Standort im eigenen Garten. Viele regionale Gärtnereien haben Wildstauden im Sortiment, manche sind sogar darauf spezialisiert, zum Beispiel die „Lebendige Stadtgärtnerei“ am Ostkreuz, oder die Gärtnerei „Wildblüte“ in Neuenhagen bei Berlin, die auch einen Onlineshop hat.


Ein weiterer Vorteil: Viele dieser Stauden können ohne große Bodenvorbereitung direkt in ein sonniges bis halbschattiges Beet mit normalem Gartenboden gepflanzt werden. Sie benötigen keinen zusätzlichen Dünger, sind mehrjährig und müssen in der Regel nur in den ersten Wochen nach der Pflanzung sowie bei längerer Trockenheit gegossen werden. Ein solches Beet kann – je nach Artenauswahl – von März bis in den Herbst hinein blühen und bietet Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten über viele Monate hinweg Nahrung und Lebensraum


Annie Stamm-Grossjohann
Mitarbeiterin für Gartenfachberatung des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde e. V. 


Bildnachweise:

Pixabay;  Bastard-Luzerne: Fornax (CC BY-SA 3.0); Tabelle: Verlag W. Wächter.


Dieser Beitrag wurde vom Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.  V. erstellt. Er ist somit auch für die Webseiten der im Netzwerk "Gartenbund" angeschlossenen Verbände und Vereine freigegeben.

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