Dauerkolonie Rehberge e.V.
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Verfasst am 08.01.2018 um 11:38 Uhr

Gemüse: Von der Aussaat bis zur Ernte 


Zu Beginn eines Gartenjahres steht die Gemüsekultur an erster Stelle. Hierzu benötigen Sie Saatgut oder Jungpflanzen für Ihren Garten. Die zur Verwendung kommenden Gemüsesorten sollten gute Ertrags- und Qualitätseigenschaften sowie eine gewisse Resistenz gegen Krankheiten besitzen.


Saatgut

Wenn Sie sich auf die Suche nach geeignetem Saatgut machen, sollten Sie ein paar Dinge beachten. Da wäre einmal die Haltbarkeit bzw. die damit verbundene Frage nach der Keimfähigkeit des Saatgutes. Die Samentüten tragen einen entsprechenden Aufdruck, z.B. MHD 03/2019 (MHD-Mindesthaltbarkeitsdatum). In diesem Fall bedeutet es, dass das Saat bis zum März 2019 haltbar, also gut keimfähig ist. Die Keimfähigkeit des Saatgutes hängt auch von der Art der Lagerung ab. Saatgut sollte immer an einem trockenen und frostfreien Ort aufbewahrt werden.


Sollte auf einer Saatguttüte F1oder F1-Hybride stehen, handelt es sich um eine Kreuzung zweier unterschiedlicher Pflanzen. Dabei entsteht eine neue Generation (Filialgeneration), F1 genannt. Bei sortenreinen Eltern erhält man in dieser ersten Generation einheitliche Nachkommen. Bei dieser Form der Züchtung werden positive Eigenschaften der Eltern vereint. Es kommt dabei auch zu besonderen Eigenschaften wie Wuchsform, Farbe, Geschmack und höherer Ertrag, aber auch Resistenzen gegenüber Krankheiten. Die F1-Hybride sind allerdings nicht mehr sortenecht. Das bedeutet, sie können nicht mehr mit den Eigenschaften der F1-Hybride durch Samengewinnung vermehrt werden.


Aussaat

Die Aussaat der neuen Gemüsepflanzen kann bei ausreichender Wärme ab März (mindestens 15°C) direkt ins Freiland an die gewünschte Stelle erfolgen. Die Tiefe der Saatrillen richtet sich meist nach der Dicke des Samens (genaue Angaben finden Sie auf den Sammentüten). Möglichkeiten der Aussaat sind Reihen- oder Rillensaat, Breit- oder Flächensaat oder Horstsaat (mehre Samen auf einer Stelle). Direktsaat hat den Vorteil, dass die Gemüsepflanzen längere Wurzeln bilden und somit kürze Trockenphasen besser überbrücken können. Das Ausbringen von sehr kleinem Saatgut können Sie sich erleichtern, indem Sie das Saatgut mit feinem Sand oder Sägemehl mischen und dann im Freiland ausstreuen. Bei größerem Saatgut, welches eine harte Schale aufweist, wie zum Beispiel Wicken, Lupinen oder Kapuzinerkresse, ist es sinnvoll, die Samen einige Stunden in Wasser quellen zu lassen und gegebenenfalls vorher leicht anzuritzen.


Möchte Sie die Gemüsepflanzen schon früher aussäen als es die Temperaturen im Freiland zulassen, kommen dafür auch Frühbeete oder Gewächshäuser in Betracht. Hier werden die Pflanzen vorgezogen und nach einiger Zeit dann pikiert (vereinzelt). Anschließend erfolgt die Pflanzung an den gewünschten Ort im Garten. An den Stellen, an denen die neuen Gemüsepflanzen ausgesät werden, sollte der Boden flach gelockert und geglättet werden. Dann werden Saatrillen zum Beispiel mit Hilfe eines langen dünnen Stabes gezogen. Die Tiefe der Saatrillen richtet sich nach der Dicke des Samens. Nach der Aussaat werden die Saatrillen geschlossen, die Erde wird angedrückt und leicht angegossen. Eine Ausnahme bilden sogenannte Lichtkeimer (zum Beispiel Kopfsalat, Sellerie). Bei diesen werden die Samen nur ganz flach oder gar nicht mit Erde bedeckt.


Pflanzung

Die jungen Gemüsepflanzen entweder aus eigener Anzucht oder durch Zukauf sollten Sie möglichst nicht vor Mitte Mai (erst nach den „Eisheiligen“) ins Freiland bringen. Gesunde, pflanzreife Jungpflanzen erkennen Sie an einer gedrungenen Erscheinung, einer kräftig grünen Farbe, straffem Wuchs und reichlich gesunder Wurzelmasse mit recht viel anhaftender Erde. Die Vorbereitung der Pflanzung von Gemüsepflanzen kann mit einem Reihenzieher oder einer Pflanzschnur erfolgen. Die Pflanzung selbst wird mit einer Pflanzschaufel oder einem Pflanzholz vorgenommen. Wichtig zur guten Entwicklung der Pflanzen ist der richtige Pflanz- und Reihenabstand. Zu guter Letzt sollten Sie einen kleinen Gießrand herstellen und wässern oder in den Beeten einen Bewässerungsschlauch verlegen(Tröpfchenbewässerung). Für eine gute Ernte benötigen die Pflanzen regelmäßige Pflege: von Unkrautjäten über ausgewogene Ernährung bis hin zur Wässerung.


Veredeltes Pflanzgut

Die Vorteile von veredelten Gemüsepflanzen sind ein stärkerer Wuchs, höhere Erträge (ca. 20 Prozent) und weniger Empindlichkeit gegenüber  Bodenschädlingen.


Veredelung von Gurken: Zur Veredelung müssen beide Kulturen (Gurke und Kürbis) möglichst gleich groß sein. Unterlage ist Kürbis. Sobald die ersten Laubblätter der Kürbisse und Gurken ca. vier Zentimeter groß sind, wird veredelt. Dazu schneidet man mit einer Rasierklinge die Kürbisstengel ca. zwei bis drei Zntimeter unterhalb der Blätter vorsichtig ein. Der Veredlungskürbis ist Cucurbita Ficifolia RZ.


Veredelung von Tomaten: Zur Veredelung der Tomate stehen ca. fünf Tomatenunterlagen zu Verfügung. Die Unterlagen der Tomatenpflanze brauchen etwas länger in der Entwicklung als die Edelsorte. Unterlage ist zum Beispiel Estamino.


Standortbedingungen/Pflege

Für eine gesunde und reiche Gemüseernte sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Als erstes sollten Gemüsepflanzen nur an Orten mit optimaler Sonneneinstrahlung anbaut werden, denn nur hier können sich die Pflanzen optimal entwickeln. An Standorten mit zu wenig Sonne wachsen die Pflanzen nicht sehr schnell und werden auch nicht so groß wie in voller Sonne, auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten wird geschwächt. Außerdem sollte ein Standort gewählt werden, an denen die Gemüsepflanzen genügend durchlüftet werden, denn so wird möglichen Pilzkrankheiten vorgebeugt. 


Auch der Boden spielt für die Pflanzen eine entscheidende Rolle. Er sollte möglichst gut zu bearbeiten sein, Lehm- und Sandanteilen, sowie einen Humusgehalt von mindestens fünf Prozent aufweisen. Bei schweren Böden sollten Sie vom natürlichen Prozess der Frostsprengung (Frostgare) Gebrauch machen und Ihren Gartenboden im Herbst umgraben. Nach jeder Ernte sollte der Boden wieder mit benötigten Nährelementen angereichert werden, damit auch die neuen Pflanzen wieder ausreichend Nahrung bekommen. Dies kann vorzugsweise mit organischen Düngergaben (z.B. Kompost) erreicht werden. Vorteilhaft ist ebenfalls eine Düngung mit Gründüngungspflanzen (zum Beispiel Lupine), die Luftstickstoff binden können und die Erosion verhindern. Anschließend werden diese Pflanzen untergegraben.


Planung

Die Planung der Anbaufläche sollte gut überlegt werden. Zu berücksichtigen wäre: Welche Kulturen sollen auf welchen Flächen angebaut werden; beeinflussen sie sich positiv; welchen Nährstoffbedarf und welche Wurzelverträglichkeiten haben sie und wie lange dauert die Kulturzeit. 


Zusammenfassung der wichtigsten Wachstumsfaktoren der Pflanzen:


Wachstumsfaktoren
 
Eigenschaften/Aufgaben
Wasser
- Aufnahme und Transport von Nährstoffen und Assimilaten
- Erhaltung des Zelldruckes
- Regulierung der Verdunstung
- biochemische Reaktionen
- ist entscheidend für Ertrag, Wachstum und Qualität
- Hauptinhaltsstoff der Früchte zu 75 bis 95 Prozent

Licht
- beeinflusst die Photosynthese
- Zusatzlicht oder Verdunklung zur Steuerung des vegetativen und generativen Wachstums (Langtagspflanze      /Kurztagspflanze)

Temperatur
- optimale Temperatur während der Jungpflanzenzucht beachten („Schossen“)
- höhere Bodentemperatur für schnelles Wachstum (z.B. im Hochbeet)
- Erhöhung der Temperatur im Frühjahr(z.B. durch Einsatz von Fließ, Vorzucht im Frühbeet oder Gewächshaus)

Boden
- optimal ist lehmiger Sandboden und sandiger Lehmboden
- pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,5 liegen
- Humusgehalt von mindestens fünf Prozent
- sollte gute Wasserführung besitzen
- stabile Struktur aufweisen
- für eine Erhaltung der Bodengare sorgen
- schwere Böden tief bearbeiten
- regelmäßige Bodenuntersuchung durchführen (min. alle 3 Jahre)

Düngung/Nährstoffe
- richtige Nährstoffmenge für die Pflanzen bereitstellen
- Fruchtwechsel, Mischkultur betreiben
- Flächenkompostierung, Gründüngung, organische Düngung
- Kalkung einmal im Jahr durchführen        


Luft
- ist in Form von CO2, Stickstoff und Sauerstoff für die Pflanzen sehr wichtig
- die Bodenluft mit genügend Sauerstoff ist für das Wurzelwachstum wichtig


Biologischer Anbau von Gemüse 

Im ökologischen Gemüseanbau ist das Wissen um Vorbeugung und ökologische Selbstregulationsmechanismen besonders wichtig, denn im Kleingarten sollte man grundsätzlich auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. Vorbeugende Maßnahmen wären etwa: geeignete  Standort- und Sortenwahl, Bodenbearbeitung, Bodenbedeckung durch Mulchmaterial und Gründüngung, Fruchtwechsel. Ausschließlicher Einsatz von organischen Düngern und Gründüngung, damit die Pflanzen gesund und entsprechend widerstandsfähig gegen Schaderreger werden. Treten dann doch einmal Krankheiten oder Schädlinge auf, können zu ihrer Abwehr natürliche Substanzen eingesetzt werden.




Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied Fachberatung