Dauerkolonie Rehberge e.V.
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Verfasst am 02.05.2018 um 12:00 Uhr

Der Boden – wichtigstes Gut für jeden Gärtner

Eine wichtige Grundlage unseres Gartens ist dessen Boden, da er den Pflanzen gleichsam als Partner dient. Nicht zuletzt entscheidet die Bodenqualität darüber, ob wir einen guten oder schlechten Ertrag erwarten können oder ob sich unsere Pflanzen gut oder weniger gut entwickeln.


Überblick

Der Boden ist ein Naturkörper, der nicht scharf abzugrenzen ist. Er gilt als Grenzphänomen der Erdoberfläche. Er ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Verwitterung von Gesteinen sowie unter Mithilfe von Organismen entstandene und im Ablauf der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen mit eigener morphologischer Organisation. Dabei bringt die mineralische Substanz beinahe die Hälfte des Volumens auf. Es folgen Luft, Wasser und die organische Substanz.


Die Körnung des Bodens bestimmt die Bodenart

Die mineralischen Stoffe des Bodens bestehen aus Substanzen unterschiedlicher Größe und Mischung. Diese Eigenschaft des Bodens wird als Körnung bezeichnet. Die Körnung bestimmt die Bodenart. Der Boden wird in drei Hauptbodenarten unterteilt, die durch die Korngröße definiert sind: Sand (S) mit einer Korngröße von 2 bis 0,063 mm, Schluff (U) mit einer Korngröße von 0,063 bis 0,002 mm sowie Ton (T) mit einer Korngröße kleiner 0,002 mm.


Schautafel mit Bodenrelief: Im Jahre 2015, dem Internationalen Jahr des Bodens, stieg auch bei vielen Kleingärtnern die Sensibilität für die Naturressource Boden. Foto: Sven Wachtmann

Bodenbearbeitung

Ziel der Bodenbearbeitung ist, die Bodengare, das heißt, den höchsten und besten Pflanzenertrag, zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Folgende Maßnahmen können hilfreich sein:

  • Humuszufuhr, Nährstoffzufuhr
  • Bodenbedeckung
  • Fruchtwechsel, Fruchtfolge beachten
  • Bewässerung
  • mechanische Bodenbearbeitung, Kapillare durchbrechen
  • Gründüngung


Optimale Bodeneigenschaften 

Für den Anbau von Pflanzen sind vorteilhaft:

  • lehmiger Sandboden oder sandiger Lehmboden
  • pH-Wert von 6,5 bis 7,5
  • gute Bodenpufferung durch Ton, Humus, Kalk und Phosphate
  • Humusgehalt von 6 bis 7 Prozent
  • gute Luft- und Wasserführung
  • guter Wärmehaushalt
  • stabile Struktur
  • Festhaltekraft der Nährstoffe


Bedeutung des pH-Wertes 

Der pH-Wert ist für alle Formen des Lebens von großer Bedeutung. Er gibt Auskunft über die chemischen Eigenschaften des Bodens und steuert unter anderem die Nährstoffaufnahmefähigkeit der Pflanzen, aber auch die Entwicklung und den Fortbestand der Bodenorganismen. Er beeinflusst die Freisetzung bestimmter Nährstoffe, das Vorkommen von Schadstoffen, die Tätigkeit der Mikroorganismen und somit den Humusabbau.


Nur bei einem optimalen pH-Wert ist ein mannigfaltiges, natürliches Ökosystem möglich. Den pH-Wert des Bodens, der mit Zahlen zwischen 0 (stark sauer) und 14 (stark alkalisch) angegeben wird, kann über eine Bodenanalyse ermittelt werden. Das Optimum des pH-Wertes liegt etwa zwischen 5,5 (schwach sauer) und 7,0 (neutral). Ein durchschnittlicher Gartenboden sollte einen pH-Wert von 6,5 aufweisen. Auf Sandböden liegt der optimale pH-Wert etwas tiefer (bei 5,5), auf Lehmböden etwas höher (bei 7).


Der Name des pH-Werts ist sowohl vom lateinischen pondus hydrogenii (Gewicht des Wasserstoffs) als auch vom lateinischen potentia hydrogenii (Wirksamkeit des Wasserstoffs) abgeleitet. Er gibt die Wasserstoffionenkonzentration an und kennzeichnet darüber hinaus das Verhältnis zwischen Säuren und Basen im Boden.


Kulturpflanzen als auch wildwachsende Pflanzenhaben haben sich an bestimmte Bodenbedingungen angepasst und sind daher nur in einem geringen Umfang fähig, einen von ihrem Optimum abweichenden pH-Wert zu tolerieren. So zeigt das Auftreten bestimmter Pflanzen (sogenannter Zeigerpflanzen) in der freien Natur bestimmte Bodenreaktionen an. Heidekraut ist etwa (Calluna vulgaris) eine Zeigerpflanze für einen sauren Boden, Ackerwinde (Convolvulus arvensis) und Huflattich (Tussilago farfara) für einen neutralen bis alkalischen Boden.


Sind die pH-Werte zu hoch oder zu niedrig, gehen einige Nährstoffe unlösliche Verbindungen ein, so dass die Pflanzen sie nicht mehr erreichen können und ein Wachstum nicht mehr möglich ist. Alkalische Bedingungen im Boden verursachen zum Beispiel eine Reihe von Pflanzenschädigungen, am auffälligsten sind Chlorosen und Nekrosen an Blättern durch Eisen- und Manganmangel.


Puffervermögen des Bodens

Für den Boden und die Pflanzen ist nicht nur das Vorhandensein eines bestimmten pH-Werts wichtig, sondern auch seine Beständigkeit, seine Pufferwirkung. Diese steht für die Fähigkeit des Bodens, den pH-Wert über einen gewissen Zeitraum konstant zu halten, das heißt, das Säure-Base-Verhältnis im Gleichgewicht zu halten.


Die Pufferwirkung ist abhängig von der Austauschkapazität des Bodens. Der pH-Wert eines Bodens hängt somit stark von seiner Adsorptionsfähigkeit ab. Hierunter versteht man die Fähigkeit, gelöste und gasförmige Stoffe festzuhalten. Tonböden haben eine bessere Pufferwirkung als Sandböden, da sie eine höhere Anzahl an Kolloiden besitzen. Bodenkolloide sind kleinste Bodenteilchen (< 0,002 mm), Tonminerale und Huminstoffe, mit negativer Ladung, die die Bodenlösung durch H+-Austausch und Adsorptionsreaktionen puffern.


Einfluss auf die Bodenorganismen

Die Bodenreaktion hat auf die Besiedlungsdichte und Leistung der Bodenmikroorganismen einen beachtlichen Einfluss. Algen und Bakterien bevorzugen einen pH-Wert von 6,5 bis 7. Sehr empfindlich gegen Säuren reagieren sauerstoffbindende Azetobacter-Arten. Pilze sind hinsichtlich des pH-Wertbereiches wesentlich toleranter und leben mit Vorliebe in einem pH-Wert-Bereich von 5,0 bis 6,5. Waksman (in Mitscherlich, 1954) fand heraus, dass eine Abhängigkeit von niedrigen Organismen und dem Säuregehalt im Boden besteht. Bakterien nahmen mit der Bodensäure ab und Pilze hingegen zu. Für wachstumsfördernde Bodenbakterien sind leicht saure Böden optimal.


Welche Bodenarten gibt es?

In Kulturanleitungen finden sich immer wieder Angaben wie „… bevorzugt leichten Boden“ oder „… verträgt schweren Boden nur schlecht“. Was verbirgt sich hinter den Begriffen „leichter“ oder „schwerer“ Boden? Wie lässt sich feststellen, zu welcher Kategorie der eigene Gartenboden gehört?


Ob ein Boden schwer oder leicht ist, hängt von der Bodenart ab, zu der er gehört. Boden besteht zum größten Teil aus mineralischer Substanz, also verwittertem Gestein. Je nach Korngröße dieser mineralischen Substanz werden verschiedene Hauptbodenarten unterschieden. Besonders grobkörnigen Boden bezeichnet man als Sand, sehr feinkörnigen Boden dagegen als Ton, dazwischen liegt Schluff. Bei Lehm handelt es sich um ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton. Die meisten Böden setzen sich aus verschiedenen Hauptbodenarten zusammen, was etwa durch 

Bezeichnungen wie „lehmiger Sand“ zum Ausdruck kommt.


Um den Gemüse- und Obstpflanzen ideale Bedingungen zu bieten, sollte man wissen, welche Hauptbodenart im Garten vorhanden ist. Die Hauptbodenart kann man mit einer einfachen Fingerprobe selbst bestimmen: etwas Boden mit Wasser mischen, so dass eine feuchte, aber nicht breiige Substanz entsteht. Anschließend eine kleine Menge davon zwischen Daumen und Zeigefinger zerreiben. Sandiger Boden fühlt sich rau und sandig an, ist kaum formbar und beschmutzt die Finger nur wenig. Sie werden auch als „leichte Böden“ bezeichnet. Lässt sich der feuchte Boden jedoch mit der Hand einigermaßen gut kneten und formen, so handelt es sich um sandigen Lehm oder Lehm. Die Hände werden dabei nur leicht verschmutzt. Je rauer ein solcher Boden ist, desto größer ist der Sandanteil. Böden dieser Korngrößenfraktion werden auch als „mittelschwere Böden“ bezeichnet. Schließlich sind Lehm- oder Tonböden besonders gut formbar, und die Finger werden beim Kneten stark verschmutzt. Je glatter und glänzender die Oberfläche beim Kneten, desto höher ist der Tongehalt. Lehmige und tonige Böden bezeichnet man auch als „schwere Böden“. – Egal ob „leicht“ oder „schwer“, jeder Boden hat positive und negative Eigenschaften für den Anbau von Gemüse und Obst. Welche diese sind und mit welchen Mitteln man die negativen Bodeneigenschaften jeweils verbessern kann, erläutert die nebenstehende Tabelle. Aufgrund ihrer überwiegend positiven Eigenschaften sind ausgewogene Mischformen zwischen Sand und Lehm – die sogenannten „mittelschweren Böden“ – ideal für den Gemüse- und Obstanbau im Garten.


Bedeutung des Humusgehaltes 

Neben der Bodenart ist zum Beispiel der Humusgehalt – die organische Substanz – des Bodens von entscheidender Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit, denn Humus bindet Nährstoffe und gibt sie bedarfsweise an die Pflanzen ab. Sogenannte Ton-Humus-Komplexe – Verbindungen von Humus mit mineralischen Bodenbestandteilen – verbessern die Krümelstruktur des Bodens und haben somit Bedeutung für die Feuchtigkeitsregulierung, die Durchwurzelbarkeit und die biologische Aktivität. Der Humusgehalt des Gartenbodens kann über ein Bodenlabor bestimmt werden.


Das Gesetz in Bezug auf unsere Kleingartenflächen

Einige Aspekte zum Thema Boden ergeben sich insbesondere für Kleingärtner:

  • Altlasten in den Böden - wann und wie greift hier das Gesetz?
  • Zusammenarbeit der Kommunen/Behörden mit den Kleingartenverbänden vor Ort 
  • Wie greift das Gesetz bei Bodenschädigungen durch die Vorpächter?
  • Bodenbelastung durch Emission
  • Informationsbeschaffung und -weitergabe bezüglich des Bundesbodenschutzgesetzes innerhalb der Verbände
  • Aufbereitung des Bundesbodenschutzgesetzes, um Verständlichkeit für die Kleingärtner herstellen.
  • gesetzesübergreifende Regelungen und Verzahnungen, etwa zum Pflanzenschutzgesetz, Düngemittelgesetz, Eigentumsrecht, …
  • fachliche Unterstützung zum Thema Bodenbelastung bei Pächterwechsel
  • Bundesbodenschutzgesetz – das höchste Gut und Grundvoraussetzung für einen gesunden Boden im Kleingarten
  • Stellenwert des Bodens erhöhen
  • Kommunen sollten einen Bodenbelastungsplan erstellen und veröffentlichen, Verbände sollten nachhaken.
  • Ausbildung, Schulungen, Seminare für Fachberater/Kleingärtner zum Thema Boden/Bodenbelastung nutzen
  • behutsamer Umgang mit dem Boden


Gefährdung des Bodens

Der Boden ist durch viele äußere Einflüsse gefährdet, so etwa durch:

  • den die Eintrag von Schwermetallen, Pflanzenschutzmittel, Streusalze, Stickstoffverbindungen (z.B. durch Überdüngung)
  • Erosion, indem Wind und Wasser Boden abtragen und den Humusanteil im Boden somit verringern. Der Boden verliert an Fruchtbarkeit.
  • Verdichtung, so dass der Luftaustausch zwischen Boden und Luft nicht mehr gegeben. Der CO²-Gehalt steigt an und viele Bodenlebewesen sterben ab. Die Pflanzen stellen ihr Wurzelwachstum ein.
  • Monokultur. Denn wiederkehrender Anbau der immer gleichen Gemüseart führt zur Bodenmüdigkeit.
  • Überdüngung, die nicht nur eine sinnlose Geldausgabe bedeutet. Denn bei Überdüngung des Bodens gelangen wasserlösliche Nährstoffe wie Kalium, Magnesium und Nitratstickstoff in tiefere Bodenschichten und danach bei Auswaschung ins Grundwasser.


Es ist also ein verantwortungsbewusster und schonender Umgang des Bodens zwingend erforderlich, denn das „Naturgut“ Boden ist weltweit nicht vermehrbar und ein einmal verseuchter Boden ist praktisch nicht mehr regenerierbar.




Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied Fachberatung

Dokumente: